19 Uhr:30 Black Rider Stadttheater

Wolfenbüttel

Aus gutem Grund wieder im Programm

„Ich bin in Eile,- muss in den Krieg!“, schrieb Gottfried Benn an A.R.Meyer.

Wie sich das Gift des Krieges in der Welt von 1914 ausbreitete und wie die Menschen damals agierten und reagierten,vor allem Maler und Dichter, dem versucht dieser literarische Abend nachzuspüren. Aus Briefen, Romanen, Tagebucheintragungen und Gedichten leuchtet eine Zeit, die mit „Hurra“ in den Abgrund stürzt. Die Mahner bleiben ungehört. Übrig bleibt ein Trümmerhaufen,Tote und menschliche Wracks. Die Lesung ist eine Auftragsarbeit des Literarischen Salons im Schloss Schorn bei Augsburg.

KRITIK

Der Erste Weltkrieg stand im Mittelpunkt der literarischen Soirée auf Schloss Schorn bei Pöttmes. Im Salon der Familie von Herman, der wie geschaffen für diese Veranstaltung war, las der aus Tutzing am Starnberger See stammende Schauspieler Ernst Matthias Friedrich beeindruckend aus Briefen, Aufzeichnungen und Romanen deutscher Künstler von denen viele den Ersten Weltkrieg nicht überleben sollten.Wie ein roter Faden zogen sich Passagen des Schriftstellers Gustav Sack durch den Abend. Der 1885 geborene Autor verweigerte zuerst den Kriegsdienst. Er erlebte den Beginn des Krieges in der Schweiz bei seinem Schwiegervater. Seiner Gattin Paula schrieb er: „Ich will mein Leben selbst bestimmen, ich gehe nicht in den Krieg.“Als er im September 1914 aus Geldnot doch nach Deutschland zurückkehren musste, wurde er eingezogen. Seine Aufzeichnungen, die er bis 1916 („In Ketten durch Rumänien“) an der Front anfertigte, wurden nach seinem Tod von seiner Frau Paula veröffentlicht und hoch gelobt. Das Gedicht „Nächtens will ich mit dem Engel reden“ von Rainer Maria Rilke veranlasste kurz vor dem Ende der Soirée noch einmal auf eindrückliche Weise zum Nachdenken über die Sinnlosigkeit und Brutalität des Ersten Weltkriegs und aller nachfolgenden Kriege.

Doris Bednarz Augsburger Allgemeine 23.11.2014

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Luthers Lust und Liebe
Theatercollage für zwei Schauspieler von Cornelia Bernoulli
Luther privat. Die 500 Jahre alte ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Martin Luther und
Katharina von Bora. Originalzitate werden mit fiktiven Dialogen gemischt. Eine Textcollage zeigt, dass
Luthers kraftvolle und bildhafte Sprache bis heute präsent ist.
Die beiden Schauspieler Ernst Matthias Friedrich und Cornelia Bernoulli nähern sich der Beziehung
zwischen dem berühmten Mönch und der fast so berühmten Nonne spielerisch, ungeniert und ganz aus der
Gegenwart heraus an.
Die Entdeckung von Liebe und Lust in Zeiten der Reformation. Mit Seitenblicken auf heiratswillige und
-unwillige Reformationsmitstreiter wie Georg Spalatin, Philipp Melanchthon oder den Zürcher Reformator
Huldrych Zwingli. Eine kurzweilige Zeitreise ins 16. Jahrhundert, in welchem viele gesellschaftliche
Prozesse in Gang kamen und sich auch das Frauenbild veränderte.
Weil Luther die „Musica“ ebenso hoch schätzte wie die Liebe, wird das Programm mit einigen seiner Lieder
abgerundet. Die musikalischen Arrangements stammen von Bruno Hetzendorfer.


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ARBEIT UND STRUKTUR
Wolfgang Herrendorf
EINE SZENISCHE LESUNG

Ein Tisch, ein Stuhl, dahinter eine Flipchart. Ein Datum, eine Uhrzeit, ein metallenes Geräusch.„Arbeit und Struktur“, lautet der Titel der Buchausgabe, mit der Herrndorfs Verlag Rowohlt Berlin den Blog nach dem Tod des Autors als Buch herausgibt. Ernst Matthias Friedrich liest, spielt eine gekürzte, von Werner Gruban eingerichtete Fassung des Buches in der bar rosso. Es ist eine hochintensive, dichte Lesung, mehr noch ein Spiel. Mit feiner Ironie und einer ausgewogenen Balance aus flapsiger Distanz und großer Nähe gelingt dem Gautinger Schauspieler und Musiker Friedrich das Porträt eines Künstlers, der seine Sprache verliert und mit dieser sein Lebenselixier, jene Kraft, die ihn sein lässt. Es ist nicht wirklich ein Kampf gegen eine Krankheit, von dem an diesem Samstagabend die Rede ist - vielmehr geht es um die Bestands-aufnahme dessen, was jenseits der Körperlichkeit Bestand hat. Gerade in der komprimierten Form, mit der Herrndorfs Blog hier „auf die Bühne“ gestellt wird, gerät eine Urproblematik der Künstlerexistenz in den Blickpunkt: das vergebliche Ringen um Ausdruck, der ständige Kampf gegen den Faktor Zeit. Gerade, als bei Wolfgang Herrndorf zum ersten Mal ein Glioblastom diagnostiziert wird, nimmt sein lange als Manuskript in der Schublade zum Schlummern verdammter Jugendromanstoff um zwei Jungen und ein geklautes Auto an Fahrt auf, wird zum Buch, wird zu einem unerwarteten Erfolg und in den Monaten darauf zu Schullektüre. Die Öffentlichkeit will mehr von diesem Schriftsteller, der Verlag möchte an den Erfolg anknüpfen, und Wolfgang Herrndorf selber möchte schreiben, erzählen, arbeiten. Seine unverwechselbare Sprache, dieser aufgrund einer ganz eigenen Schnoddrigkeit so poetische Tonfall, der auch den Blog kennzeichnet, bekommt seine Gestalt genau in dem Moment, als ihm selber klar ist, dass er nicht mehr in einem „immer so weiter“ wird denken können. Noch bleibt ihm seine Sprache. Doch unbarmherzig nimmt die Krankheit ihm diese Stück für Stück weg. Nirgends ist dieser Verlust so klar, so sachlich und unendlich traurig und doch auch wieder mit einem besonderen, schönen Humor dokumentiert worden wie in „Arbeit und Struktur“.Die Sprache Herrndorfs liegt  Friedrich, er hat sie sich zueigen gemacht, jongliert mit ihr, spielt mit ihr, lauscht ihr die Zwischentöne ab. Es ist diesem Schauspieler zu danken, dass der Abend trotz der Schwere und Tragik des Themas ein genussreicher Abend war, einer, an dem in jedem Moment die Stimme und das Werk eines großartigen Erzählers präsent waren. Doch, Engel gibt es und Struktur ist mehr als Zeichensetzung und Absätze. BOSCO,GAUTING NACHTKRITIK 8.01.16

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